Gemeinsam gegen Obdachlosigkeit

Gemeinsam gegen Obdachlosigkeit

Zählung der Obdachlosen Menschen 22. auf den 23. Juni 2022 ist auf Januar 2023 verschoben, dennoch werden wir protestieren – Jetzt erst recht, muss die Masse an Leerständen den Menschen, die kein Zuhause haben, gegeben werden.

22. Juni – 18 bis 23 Uhr

Habersaathstraße

Mit Musik- und Redebeiträgen sowie Küfa der A-Küche

 00 bis 13 Uhr des 23. Juni

Rotes Rathaus

Happening über Nacht mit Schlafsäcken und Transparenten + Paul Geigerzähler

(das Programm wird ergänzt)

Wir sagen, zählt lieber Leerstand um die Ressourcen in Berlin, einer Stadt der Wohnungsnot, als Gegenstück aufzuzeigen, denn EINE WIRKLICHE SOLIDARITÄT FINDET AUF AUGENHÖHE STATT UND IST NUR ÜBER HANDELN MÖGLICH, DENN STATISTIKEN BRINGEN KEIN ZUHAUSE!

Während der ersten stadtweiten Zählung, der sogenannten „Nacht der Solidarität“ vom 29. auf den 30. Januar 2020, konnten knapp 2.000 Menschen ohne Obdach im öffentlichen Raum angetroffen werden. Die Zahlen waren ganz klar eine „verzerrte Momentaufnahme“ und Menschen in der sogenannten „verdeckten“ Obdachlosigkeit (Übernachten bei Freunden etc.) können kaum wahrgenommen und damit gezählt werden. Zuvor basierten die Zahlen nur auf Schätzungen – die lagen immer zwischen 6000 und 10.000.

Trotz der gesammelten Daten, deren Auswertung, Strategiekonferenzen und Überprüfung welche Hilfsangebote vor Ort verbessert werden müssen, hat sich die Situation von Obdach- und Wohnungslosen Menschen mit- und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte eher verschlechtert, da die Situation um die Sars-Infektion kaum einberechnet wurde und weiterhin zwangsgeräumt wurde.

Daneben stehen parallel tausende Wohnungen in Berlin teilweise seit vielen Jahren leer, obwohl es kein Leerstandskataster gibt liegen die offizielle Leerstandsquote für 2020 laut Statistik nur bei 0,9 %. Dauerhafter Leerstand von Wohnräumen gilt zwar als Zweckentfremdung und ist strafbar, aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten dies zu umgehen.
Leerstand von unter Modernisierungsvorbehalt stehendem Wohnraum, Streitigkeiten um Wohnraum vor Gericht, Wohnungen, die teils absichtlich zerstört werden und als nicht bewohnbar gelten zählen nicht als Zweckentfremdung. Leerstehende Bürotürme, AirBnB Wohnungen, Dritt- und Viert-Wohnungen sind unserer Meinung nach Leerstand, der den Menschen zur Verfügung gestellt werden muss, die ihn benötigen. Auch die Berliner Landeseigenen Wohnungsbauunternehmen sind kein Vorbild und spekulieren mit Wohnraum.

Nur die aktuellen BewohnerInnen und die Initiative Leerstand Hab-ich-saath zeigen, wie mit spekulativem Leerstand vorbildhaft aktiv umzugehen ist und was Solidarität bedeutet.

WIR SAGEN; DASS EINE WIRKLICHE SOLIDARITÄT NUR ÜBER HANDELN MÖGLICH IST, DENN STATISTIKEN BRINGEN KEIN ZUHAUSE!

Wir fordern, dass neben der Zählung von Menschen ohne Obdach im Juni
2022 auch der in Berlin vorhandene verdeckte Leerstand gezählt wird.
Gebt wohnungslosen Menschen mit- und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte,
unabhängig vom Aufenthaltsstatus, ein bedingungsloses Zuhause!.

Wie bei allen MAHNWACHEN fordern wir ein sofortiges Handeln


Denn Wohnungslos sein bedeutet schutzlos sein!

Würdevolles Leben bedeutet würdevolles Wohnen!


Mehr als 50.000 Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte werden in Berlin entrechtenden, zwangsgemeinschaftlichen Massen- und Notunterunterkünften, Hostels und Pensionen untergebracht oder versuchen ohne Obdach auf der Straße zu überleben. (Stand:2021). Die Zahl an Menschen in der sogenannten „verdeckten“ Obdachlosigkeit (Übernachten bei Freunden etc.) kann niemand benennen. Das, was als kurzfristige Notlösung gedacht ist, wird zu einem Dauerzustand. Ein Großteil dieser untergebrachten Menschen lebt länger als 1 Jahr dort. Zu diesen Menschen ohne eine Wohnung zählen z.B. alleinstehende Erwachsene, Paare, Familien, Kinder, Menschen mit Behinderung, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte,  Menschen ohne Papiere/ illegalisierte Menschen. 


Obdachlose Menschen werden immer wieder Opfer schwerer Gewalttaten. Zwischen 1990 und 2018 starben demnach mindestens 505 Obdachlose durch gewalttätige Übergriffe in Deutschland. Bei solchen Übergriffen auf obdachlose Menschen spielten menschenverachtende, rassistische oder rechtsextreme Motive häufig eine zentrale Rolle (Quelle: Drucksache 19/3918). Hinzu kommen rassistische, polizeiliche Maßnahmen, die Menschen z.B. mit Flucht-oder Migrationsgeschichte und ohne Obdach im öffentlichen Raum erleben.Das sindIdentitätskontrollen, Dursuchungen oder auch Verhaftungen, die allein aufgrund z.B. von äußeren Merkmalen wie Hautfarbe, vermuteter Herkunft oder Religionszugehörigkeit erfolgen  (racial profiling). Diese Kontrollen dürfen an sog. kriminalitätsbelasteten Orten (kbO) ohne eine konkrete Verdachtsgrundlage oder Gefahr geschehen (etwa dem Verhalten einer Person oder Gruppe).


Obdachlosigkeit wird in unserer Gesellschaft stigmatisiert. Menschen ohne Obdach werden aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Ihr selbstorganisierten / selbstaufgebauten Schutzräume werden geräumt.  Sie erhalten Platzverweise und Aufenthaltsverbote aufgrund des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (ASOG), durch dass sie kriminalisiert werden. Sie haben keinen uneingeschränkten, niedrigschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem. Im Falle einer Erkrankung erfolgt im besten Fall nur eine Akutversorgung. Sie werden frühzeitig , ohne vollständig genesen zu sein, entlassen.

Keine Wohnung. Keine Plätze. Keine uneingeschränkte Gesundheitsversorgung.
Keine Sichtbarkeit. Kein Schutz. 


Nur die Selbstermächtigung der Initiative Leerstand Hab -Ich – Saath gemeinsam mit Menschen ohne Obdach konnte durch eine erneute Besetzung des bezugsfertigen Leerstandes in der Habersaathstraße 40 – 48 den dringend nötigen Wohnraum seiner Bestimmung wieder zuführen. Obdachlose Menschen haben endlich ein Zuhause. Wir wollen mit der Mahnwache zeigen dass Obdachlosigkeit von Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte nicht länger als Druckmittel eingesetzt werden kann.  Obdachlosigkeit kann Alle treffen.  Das gegeneinander ausspielen muss beendet werden.

Gegen Hass, Rassismus und rechte Hetze.  


DESHALB fordern wir:


  • Wohnungen für Alle – unabhängig vom Aufenthaltsstatus!
  • Recht auf Wohnen im Grundgesetz verankern und die Umsetzung des Artikel 28 der Berliner Landesverfassung, der jeder Person eine Wohnung verspricht!
  • Stopp von Zwangsräumungen!
  • Leerstand zu Wohnraum: zivile Beschlagnahmung von spekulativem, zweckentfremdeten langjährigem Leerstand als Amtshilfe anerkennen!
  • Präzedenzfall Habersaathstraße in allen Bezirken schaffen – statt Abriss von Wohnraum! Abschaffung der sog. „Berliner Linie“ – Verordnung, durch die neu besetzte Häuser, Plätze oder Wohnungen in Berlin innerhalb von 24 Stunden nach Bekanntwerden der Besetzung zu räumen sind! 
  • Obdach- und wohnungslose Menschen nach ihren Bedürfnissen fragen statt Zwangsunterbringungen!
  • Schaffung und Erhalt von Freiräumen für alternative Wohnformen!
  • Recht auf einen freien, niedrigschwelligen Zugang zum Gesundheitssystem für ALLE – unabhängig vom Aufenthaltstatus!
  • Rückbau der menschenfeindlichen defensiven Architektur (Metalldornen etc.)!
  • Stopp der Kriminalisierung durch das Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz!  
  • Stopp der Verschleierung von Übergriffen durch Polizei und Sicherheitsbehörden!
  • Abschaffung der kriminalitätsbelasteten Orten!
  • Stopp des racial Profilings! 
  • Rückkehr zur Gemeinnützigkeit für die LWUs (Landeseigene Wohnungsbauunternehmen) und eine Quote an Wohnungen für Menschen ohne Obdach! 
  • Einbindung von Selbstvertretungen, Initiativen und Organisationen zur bestmöglichen Lösung der Wohnungsproblematik!

Seid solidarisch, schaut nicht weg, mischt euch ein!
Gegen Hass, Rassismus und rechte Hetze.
Wenn bis 2030 Obdachlosigkeit beendet werden soll, muss heute gehandelt werden. Die Pandemie ist jetzt, Obdachlosigkeit gibt es schon zu lange um noch länger auszuharren und nur zu debattieren.


Rückblick zu den vergangenen Mahnwachen
von 2022, 2021, 2020 und 2019


2022

„Wir haben den Staat aus der Haftung für das Wohlergehen der Leute entlassen. Der Sozialstaat ist schon längst nicht mehr für alle da.
Hier laufen Menschen durch die Straßen denen dieser Staat jegliche Unterstützung versagt, sich aber rühmt, sie zu dulden. Hier finden tausende Menschen keinen bezahlbaren Wohnraum trotz Job, Anspruch oder dem Willen ihr Schicksal selber zu bestimmen.
In Berlin können wir die weltweite Tendenz zu immer mehr Reichtum für immer weniger Menschen ganz exemplarisch beobachten. Kapitalismus ist eben nicht für Alle, sondern schliesst die meisten aus. Und das geschieht nicht irgendwo fernab unserer Komfortzone sondern vor unserer Haustür und immer mehr Menschen sind betroffen, werden aussortiert oder gar nicht erst aufgenommen.“

Zitat aus der Rede von David Permantier.

»In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat es so gestürmt, dass ein Pavillon direkt weggeweht wurde. Aber darum geht es ja auch bei der Mahnwache: zu zeigen, wie schwierig das Leben für Menschen auf der Straße ist«, sagt Steffen Doebert vom Bündnis gegen Obdachlosigkeit, das die Aktion auf die Beine gestellt hat. Mehrere Hundert Menschen haben laut Doebert zwischen Donnerstag und Samstag an der Mahnwache teilgenommen. »So groß wie dieses Jahr war es noch nie. Ich hoffe, dass die Aufmerksamkeit weiter wächst, solange sich nichts ändert und es notwendig bleibt«, sagt er.

Zitat aus dem Artikel der ND zur 4. Mahnwache

2021

Video-Mitschnitte zu den einzelnen Beiträgen

2020

Presseartikel

2019


Über uns


Wir sind ein wachsendes Bündnis aus Selbstvertretungen, Organisationen, Gruppen, Initiativen und Einzelpersonen, die für das Recht auf eine Wohnung / auf ein menschenwürdiges, selbstbestimmtes Wohnen oder das Recht auf einen unabhängigen, freien Zugang zu einer umfassenden Gesundheitsversorgung kämpfen. Diese und weitere Rechte sind Menschenrechte – die unabhängig vom Aufenthaltsstatus allen Menschen garantiert werden müssen. Die neoliberale Verdrängung- und Aufwertungspolitik in unseren Kiezen ist eng verwoben mit rassistischer und sozial diskriminierender Stadt(entwicklungs)politik. Das Bestreben nach sog. „gesunder“ oder „sozialer Mischung“ in den Stadtteilen, deren Stigmatisierung als sog. „Brennpunkte“ oder die Verdrängung von marginalisierten Gruppen aus dem öffentlichen Raum u.a. durch eine Architektur der Ignoranz und der Verdrängung (defensive Architektur) sind nur wenige Beispiele dieser Politik. Wir lassen uns nicht spalten und gegeneinander ausspielen. Wir bilden Allianzen.

Unterstützende und Mitwirkende der Vierten Mahnwache:

Ihr könnt uns gerne über die e-Mail Adresse info@ bündnis-gegen-obdachlosigkeit.de kontaktieren.

Die Mahnwache wird gefördert durch das

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